Garantiert nicht Strafbar

GARANTIERT NICHT STRAFBAR

Wie sie ganz legal schwarzfahren, Drogen konsumieren und aus dem Gefängnis ausbrechen

Wollten Sie schon immer mal ganz legal am Stau vorbeifahren? Vielleicht geht Ihnen auch Ihr Nachbar so auf die Nerven, dass Sie ihn, völlig straflos natürlich, aufs Übelste beleidigen möchten? Gar kein Problem!
Denn unsere Gesetze wimmeln nur so von Widersprüchen und Lücken. Ob Verkehrsrowdy, Schwarzfahrer oder Dokumentenfälscher – wir alle dürfen viel mehr, als wir glauben. Die TV-bekannten Anwälte Stephan Lucas und Alexander Stevens geben mit Fachkenntnis und viel Witz Einblick in die irre Welt des Strafgesetzbuchs. Fast alles ist erlaubt – man muss nur die richtigen Paragrafen kennen!

Sicher sind Sie schon mehr als einmal in einen dieser enervierend endlosen Verkehrsstaus geraten – und das immer genau dann, wenn Sie es besonders eilig hatten.

Und bestimmt kennen Sie auch diesen schneckengleich schleichenden Vordermann, gerne mit Hut auf der Ablage, der sein Gaspedal möglichst frei von Gebrauchsspuren halten möchte und Ihr Dauergehupe nebst Aufblenden mit Lichthupe entweder als reine Geste der Freundlichkeit interpretiert oder schlicht gar nicht erst bemerkt.

Ja, all das kann einem nicht nur die Fahrt, sondern den gesamten Tag verhageln. Und manchmal würde man nichts lieber tun, als sich den Burt-Reynolds-Gedächtnisschnurri ankleben und »Yihaaaa« brüllend über den Fußgängerweg quer durch die per- fekt plazierten Mülltonnen donnern. Dummerweise sind der- gleichen Aktionen hierzulande gesetzlich geregelt, und das Ein- zige, was Sie ungestraft halten können, wie Sie wollen, ist die Nummer mit dem Schnurri.

Alles andere endet dann entweder mit einem Flensburger Konto, das man selbst nie beantragt hat und bei dem der verliert, der zuerst acht Punkte erreicht (der Gesetzgeber hat vermutlich bei Gesellschaftsspielen zu oft verloren). Oder eben gleich mit einem Fahrverbot. Und an dieser Stelle sei mit dem Mythos auf- geräumt, man könne Punkte mit anwaltlicher Hilfe in höhere Geldbußen umwandeln – Pustekuchen! Denn Flensburger Punkte sind schließlich nicht als zusätzliche Sanktion zu sehen, sondern dienen lediglich einer zentralen Erfassung von Ord- nungswidrigkeiten. So zumindest steht es in der höchstrichterli- chen Rechtsprechung hierzu. Mit anderen Worten, den Gang zum Anwalt kann man sich schön sparen, die Punkte bleiben, bis sie verfallen (1 Punkt nach 2,5 Jahren, 2 Punkte nach 5 Jahren, 3 Punkte nach 10 Jahren). Und auch die anderen Mythen, man könne erfolgreich mit Messfehlern oder inkompetentem »Blitzer«-Personal argumentieren, ist angesichts der fortschreitenden Technisierung ein alter Hut.

Gut, wenn Sie sich die Schmach geben wollen und Ihre profunde Autofahrkompetenz in einem freiwilligen »Verkehrsun- terricht« unter Beweis stellen, erlässt Ihnen Flensburg einen Punkt. Aber nur einmal alle 5 Jahre. Ein ziemlich mauer Tipp also.

Und selbst wenn ein Fahrverbot droht, lohnt sich ein rechtliches Aufbegehren des bösen Autofahrers kaum. Denn auch wenn der deutsche Bußgeldkatalog nur Regelstrafen beziffert und von jeder Regel bekanntlich abgewichen werden kann, sind auch hier die guten alten Zeiten vorbei, in denen in kumpelhaf- ter F.-J.-Strauß-Manier die Ausnahme die Regel war. Um ein Fahrverbot abzuwenden, muss man jetzt schon richtig tief in die Mitleidskiste greifen und beispielsweise darlegen, mit welch ungewöhnlicher Härte ein solches Fahrverbot einen selbst treffen würde. Aber selbst der drohende Verlust des Arbeitsplatzes wird von vielen Gerichten heute nicht mehr als »Ausrede« akzeptiert. Denn jemand, der beruflich auf den Führerschein angewiesen ist, sollte sich besonders Mühe geben, anständig zu fahren. So die Argumentation der Gerichte.

Aber: Nicht verzagen, Lucas fragen – und der wird sagen: Stevens fragen. Und ich verrate Ihnen, wie Sie schnell ans Ziel ge- langen, ganz ohne dabei Gefahr zu laufen, das Wichtigste im Leben des deutschen Bundesbürgers zu verlieren, den heiligen Führerschein.

Ja, es stimmt. Nichts ist formaljuristisch so haarklein durchdekli- niert wie der deutsche Straßenverkehr. Und nirgendwo sonst scheint die Polizei als Inbegriff des modernen Raubrittertums so 

omnipräsent und immer auf der Lauer nach den armen, aber da- für umso zahlungskräftigeren Verkehrssündern. Aber ironi- scherweise können Sie sich genau das zunutze machen. Denn in dem grenzenlosen Eifer, des Deutschen liebste Beschäftigung so minutiös zu regeln, dass Autofahren unter keinen Umständen mehr Spaß bereiten darf, haben die hierfür Verantwortlichen of- fensichtlich ein wenig sehr den Überblick verloren.

Oder wie anders soll man es deuten, dass es für die vom Ge- setzgeber aufgestellten Regeln weiterer Regelungen bedarf, die sozusagen die Regeln richtig regeln. So gibt es im deutschen Ver- kehrsrecht eigentlich kein Gesetz, das es nicht gibt, oder haben Sie schon mal etwas von einer »Fahranfängerfortbildungsver- ordnung«, der »Fahrzeugteileverordnung«, der »Überlange- Lkw-Ausnahmeverordnung« oder gar vom »Berufskraftfah- rer-Qualifikations-Gesetz« gehört? Ich auch nicht, mein Kollege Lucas sowieso nicht, und vermutlich würde man auch unter den Mitarbeitern im Verkehrsministerium lange suchen müssen.

Der deutsche Verkehrsrechts-Gesetzgeber liebt es einfach, sei- ne autobesessenen Bürger und deren ausgezeichneten Fahrküns- te auf das gröbste einzuschränken und zu torpedieren. Man den- ke nur an die lästige Winterreifenpflicht, die bei Zuwiderhand- lung mit mindestens 60 € und einem Punkt geahndet wird. Wo es sich doch mit Sommerreifen deutlich schneller fahren lässt, vom nervigen Reifenwechsel alle halbe Jahre mal ganz zu schwei- gen. Oder an die Regelungen zur Geschwindigkeitsübertretung, die innerorts bereits ab 3 km/h (so viel beträgt üblicherweise die Messtoleranz) mit 15 € Bußgeld bestraft wird. Ab 21 km/h im Übrigen schon mit 80 € und einem Punkt. Und das in Zeiten, in denen die Autotechnik so weit ist, Autos mit Power vergleichbar von Flugzeugen auszustatten. Und nicht zu vergessen diese ein- deutig »dunkelgelben« Ampeln, die beim Überfahren bei mehr als einer Sekunde auf Rot gleich 200 €, zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot kosten. Selbst an die Teilnahme illegaler Stra

ßenrennen hat der Gesetzgeber gedacht und lässt sich diesen be- sonderen Fahrspaß mit 400 €, zwei Punkten und einem Monat Fahrverbot teuer bezahlen.

Auf ganzer Linie hat der deutsche Langweilgesetzgeber dafür gesorgt, dass der Spaßfaktor »Auto« im wahrsten Sinne des Wor- tes auf der Strecke bleibt. Offensichtlich denkt keiner der plan- versessenen Regelrowdys daran, dass wir weltweit als die »Gran- de Nation« des Autos bekannt sind und somit einen Ruf zu ver- lieren haben! Denn auch für das Drängeln auf der Autobahn, weil wieder irgendein »Linkspenner« die Überholspur blockiert, kostet der »dezente« Hinweis an den Vordermann, die Spur end- lich frei zu machen, richtig Asche: Für zu dichtes Auffahren ist man – je nach Entfernung – bei Geschwindigkeiten ab 130 km/h mit 400 €, zwei Punkten und drei Monaten Fahrverbot dabei.

Zum Glück gibt es auch deutlich günstigere, aber nicht weni- ger effektive Alternativen. Sie sparen sich schon mal einen Flens- burger Punkt und 300 €, wenn Sie den Linksschläfer einfach auf der rechten Spur überholen. Laut Bußgeldkatalog gibt’s dafür nämlich nur einen Punkt und 100 € Strafe, ein echtes Schnäpp- chen also!

Weitere 25 € sind eingespart, wenn Sie anstatt der rechten Spur gleich den Standstreifen benutzen. Denn den Seitenstreifen zum Zweck des schnelleren Vorwärtskommens zu nutzen kostet »nur« 75 €. Interessant wahrscheinlich für alle Leser, die oft in staugeplagten Gebieten unterwegs sind.

Das Beste allerdings kommt wie immer zum Schluss, und es ist so großartig, dass ich ganz kurz überlegt habe, es Ihnen vor- zuenthalten. Schließlich wäre ich dann nicht mehr der Einzige, der die Nummer regelmäßig durchzieht. Aber gut, weil Sie mich so nett bitten – Sie haben ja dieses Buch gekauft und es immer- hin bis hierher gelesen –, will ich mal nicht so sein:

Ganz einfach: Wer es besonders eilig hat und noch dazu rich- tig billig davonkommen möchte, kauft sich ein Blaulicht (im In

ternet ab 20 € erhältlich) und kann sich dann den Fahrstreifen aussuchen. Die missbräuchliche Verwendung von Blaulicht und Martinshorn ist nämlich punktefrei und kostet gerade einmal läppische 20 €. Schnelligkeit und Fahrspaß zu jeder Verkehrslage und staunende Blicke garantiert. Also dann, frohes Lalü und Happy Blinkings, und grüßen Sie mir den Herrn Reynolds, wenn Sie ihn überholen.

Ach ja, sollten Sie dabei wider Erwarten und unerhörterweise dennoch geblitzt und angezeigt werden, auch kein Problem: Fra- gen Sie einfach einen Freund, Kumpel, Bekannten, Kollegen oder Schwippschwager, ob er nicht einfach für Ihren Ver- kehrsverstoß einsteht. Wenn Alter und Geschlecht des echten und des falschen Sünders übereinstimmen und eine gewisse Ähnlichkeit beim Aussehen hinzukommt, fällt der Polizei der Schwindel höchstwahrscheinlich nicht auf. Die Geldbuße wird bezahlt, die Punkte landen auf dem Konto des anderen. Und selbst wenn sich keiner im Bekanntenkreis finden lässt, der be- reit wäre, sein eigenes Konto in Flensburg weiter auszubauen, ist auch das kein unlösbares Problem. Im Internet finden sich genü- gend Menschen, die kein Auto haben oder denen der drohende Verlust des Führerscheins gegen entsprechendes Entgelt nicht so wichtig ist. Zum Beispiel Häftlinge mit Freigang.

Aber machen Sie dabei keinen Anfängerfehler: Nicht Sie, son- dern der »altruistische« Sündenbock muss den Anhörungsbo- gen der Bußgeldbehörde ausfüllen und angeben, dass er das Auto zum Zeitpunkt des Vergehens gefahren hat. Alles andere wäre eine falsche Verdächtigung und damit eine Straftat. Der Sündenbock dagegen kann aber nicht sich selbst falsch verdäch- tigen, und eine (mittelbare) Falschbeurkundung begeht er auch nicht, da das Flensburger Verkehrsregister keine öffentliche, son- dern nur eine innerdienstliche Urkunde darstellt.

Sollte Ihnen diese Variante zu aufwendig bzw. zu teuer sein, können Sie es auch wie der Kollege Lucas handhaben und künf

tig nur noch maskiert Auto fahren. So, dass Sie niemand mehr auf dem Blitzerfoto eindeutig als Fahrer identifizieren kann. Auch dies ist nicht strafbar. Beim Autofahren gibt es kein spezielles »Vermummungsverbot«. Das Gesetz schreibt nur vor, dass Sicht und Gehör nicht beeinträchtigt werden dürfen.

Bei der Wahl Ihres Kostüms sollten Sie allerdings auf eine gewisse Unauffälligkeit achten. Wer etwa mit einer Skimaske be- kleidet Auto fährt, könnte aus nachvollziehbaren Gründen bei verdachtsunabhängigen Polizeikontrollen von besonderem Interesse sein. Aber, wie Ihnen Stephan Lucas aus leidiger Erfah- rung berichten kann, auch die Verkleidung mit einer Alexan- der-Stevens-Maske ist suboptimal. Denn solch gutaussehende Autofahrer werden bevorzugt von weiblichen Polizeibeamtin- nen herausgewunken – um sie einer gründlichen »Routinekont- rolle« zu unterziehen.

In diesem Sinne: happy Driving.

GARANTIERT NICHT STRAFBAR

Wie sie ganz legal schwarzfahren, Drogen konsumieren und aus dem Gefängnis ausbrechen

Wollten Sie schon immer mal ganz legal am Stau vorbeifahren? Vielleicht geht Ihnen auch Ihr Nachbar so auf die Nerven, dass Sie ihn, völlig straflos natürlich, aufs Übelste beleidigen möchten? Gar kein Problem!
Denn unsere Gesetze wimmeln nur so von Widersprüchen und Lücken. Ob Verkehrsrowdy, Schwarzfahrer oder Dokumentenfälscher – wir alle dürfen viel mehr, als wir glauben. Die TV-bekannten Anwälte Stephan Lucas und Alexander Stevens geben mit Fachkenntnis und viel Witz Einblick in die irre Welt des Strafgesetzbuchs. Fast alles ist erlaubt – man muss nur die richtigen Paragrafen kennen!

Sicher sind Sie schon mehr als einmal in einen dieser enervierend endlosen Verkehrsstaus geraten – und das immer genau dann, wenn Sie es besonders eilig hatten.

Und bestimmt kennen Sie auch diesen schneckengleich schleichenden Vordermann, gerne mit Hut auf der Ablage, der sein Gaspedal möglichst frei von Gebrauchsspuren halten möchte und Ihr Dauergehupe nebst Aufblenden mit Lichthupe entweder als reine Geste der Freundlichkeit interpretiert oder schlicht gar nicht erst bemerkt.

Ja, all das kann einem nicht nur die Fahrt, sondern den gesamten Tag verhageln. Und manchmal würde man nichts lieber tun, als sich den Burt-Reynolds-Gedächtnisschnurri ankleben und »Yihaaaa« brüllend über den Fußgängerweg quer durch die per- fekt plazierten Mülltonnen donnern. Dummerweise sind der- gleichen Aktionen hierzulande gesetzlich geregelt, und das Ein- zige, was Sie ungestraft halten können, wie Sie wollen, ist die Nummer mit dem Schnurri.

Alles andere endet dann entweder mit einem Flensburger Konto, das man selbst nie beantragt hat und bei dem der verliert, der zuerst acht Punkte erreicht (der Gesetzgeber hat vermutlich bei Gesellschaftsspielen zu oft verloren). Oder eben gleich mit einem Fahrverbot. Und an dieser Stelle sei mit dem Mythos auf- geräumt, man könne Punkte mit anwaltlicher Hilfe in höhere Geldbußen umwandeln – Pustekuchen! Denn Flensburger Punkte sind schließlich nicht als zusätzliche Sanktion zu sehen, sondern dienen lediglich einer zentralen Erfassung von Ord- nungswidrigkeiten. So zumindest steht es in der höchstrichterli- chen Rechtsprechung hierzu. Mit anderen Worten, den Gang zum Anwalt kann man sich schön sparen, die Punkte bleiben, bis sie verfallen (1 Punkt nach 2,5 Jahren, 2 Punkte nach 5 Jahren, 3 Punkte nach 10 Jahren). Und auch die anderen Mythen, man könne erfolgreich mit Messfehlern oder inkompetentem »Blitzer«-Personal argumentieren, ist angesichts der fortschreitenden Technisierung ein alter Hut.

Gut, wenn Sie sich die Schmach geben wollen und Ihre profunde Autofahrkompetenz in einem freiwilligen »Verkehrsun- terricht« unter Beweis stellen, erlässt Ihnen Flensburg einen Punkt. Aber nur einmal alle 5 Jahre. Ein ziemlich mauer Tipp also.

Und selbst wenn ein Fahrverbot droht, lohnt sich ein rechtliches Aufbegehren des bösen Autofahrers kaum. Denn auch wenn der deutsche Bußgeldkatalog nur Regelstrafen beziffert und von jeder Regel bekanntlich abgewichen werden kann, sind auch hier die guten alten Zeiten vorbei, in denen in kumpelhaf- ter F.-J.-Strauß-Manier die Ausnahme die Regel war. Um ein Fahrverbot abzuwenden, muss man jetzt schon richtig tief in die Mitleidskiste greifen und beispielsweise darlegen, mit welch ungewöhnlicher Härte ein solches Fahrverbot einen selbst treffen würde. Aber selbst der drohende Verlust des Arbeitsplatzes wird von vielen Gerichten heute nicht mehr als »Ausrede« akzeptiert. Denn jemand, der beruflich auf den Führerschein angewiesen ist, sollte sich besonders Mühe geben, anständig zu fahren. So die Argumentation der Gerichte.

Aber: Nicht verzagen, Lucas fragen – und der wird sagen: Stevens fragen. Und ich verrate Ihnen, wie Sie schnell ans Ziel ge- langen, ganz ohne dabei Gefahr zu laufen, das Wichtigste im Leben des deutschen Bundesbürgers zu verlieren, den heiligen Führerschein.

Ja, es stimmt. Nichts ist formaljuristisch so haarklein durchdekli- niert wie der deutsche Straßenverkehr. Und nirgendwo sonst scheint die Polizei als Inbegriff des modernen Raubrittertums so 

omnipräsent und immer auf der Lauer nach den armen, aber da- für umso zahlungskräftigeren Verkehrssündern. Aber ironi- scherweise können Sie sich genau das zunutze machen. Denn in dem grenzenlosen Eifer, des Deutschen liebste Beschäftigung so minutiös zu regeln, dass Autofahren unter keinen Umständen mehr Spaß bereiten darf, haben die hierfür Verantwortlichen of- fensichtlich ein wenig sehr den Überblick verloren.

Oder wie anders soll man es deuten, dass es für die vom Ge- setzgeber aufgestellten Regeln weiterer Regelungen bedarf, die sozusagen die Regeln richtig regeln. So gibt es im deutschen Ver- kehrsrecht eigentlich kein Gesetz, das es nicht gibt, oder haben Sie schon mal etwas von einer »Fahranfängerfortbildungsver- ordnung«, der »Fahrzeugteileverordnung«, der »Überlange- Lkw-Ausnahmeverordnung« oder gar vom »Berufskraftfah- rer-Qualifikations-Gesetz« gehört? Ich auch nicht, mein Kollege Lucas sowieso nicht, und vermutlich würde man auch unter den Mitarbeitern im Verkehrsministerium lange suchen müssen.

Der deutsche Verkehrsrechts-Gesetzgeber liebt es einfach, sei- ne autobesessenen Bürger und deren ausgezeichneten Fahrküns- te auf das gröbste einzuschränken und zu torpedieren. Man den- ke nur an die lästige Winterreifenpflicht, die bei Zuwiderhand- lung mit mindestens 60 € und einem Punkt geahndet wird. Wo es sich doch mit Sommerreifen deutlich schneller fahren lässt, vom nervigen Reifenwechsel alle halbe Jahre mal ganz zu schwei- gen. Oder an die Regelungen zur Geschwindigkeitsübertretung, die innerorts bereits ab 3 km/h (so viel beträgt üblicherweise die Messtoleranz) mit 15 € Bußgeld bestraft wird. Ab 21 km/h im Übrigen schon mit 80 € und einem Punkt. Und das in Zeiten, in denen die Autotechnik so weit ist, Autos mit Power vergleichbar von Flugzeugen auszustatten. Und nicht zu vergessen diese ein- deutig »dunkelgelben« Ampeln, die beim Überfahren bei mehr als einer Sekunde auf Rot gleich 200 €, zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot kosten. Selbst an die Teilnahme illegaler Stra

ßenrennen hat der Gesetzgeber gedacht und lässt sich diesen be- sonderen Fahrspaß mit 400 €, zwei Punkten und einem Monat Fahrverbot teuer bezahlen.

Auf ganzer Linie hat der deutsche Langweilgesetzgeber dafür gesorgt, dass der Spaßfaktor »Auto« im wahrsten Sinne des Wor- tes auf der Strecke bleibt. Offensichtlich denkt keiner der plan- versessenen Regelrowdys daran, dass wir weltweit als die »Gran- de Nation« des Autos bekannt sind und somit einen Ruf zu ver- lieren haben! Denn auch für das Drängeln auf der Autobahn, weil wieder irgendein »Linkspenner« die Überholspur blockiert, kostet der »dezente« Hinweis an den Vordermann, die Spur end- lich frei zu machen, richtig Asche: Für zu dichtes Auffahren ist man – je nach Entfernung – bei Geschwindigkeiten ab 130 km/h mit 400 €, zwei Punkten und drei Monaten Fahrverbot dabei.

Zum Glück gibt es auch deutlich günstigere, aber nicht weni- ger effektive Alternativen. Sie sparen sich schon mal einen Flens- burger Punkt und 300 €, wenn Sie den Linksschläfer einfach auf der rechten Spur überholen. Laut Bußgeldkatalog gibt’s dafür nämlich nur einen Punkt und 100 € Strafe, ein echtes Schnäpp- chen also!

Weitere 25 € sind eingespart, wenn Sie anstatt der rechten Spur gleich den Standstreifen benutzen. Denn den Seitenstreifen zum Zweck des schnelleren Vorwärtskommens zu nutzen kostet »nur« 75 €. Interessant wahrscheinlich für alle Leser, die oft in staugeplagten Gebieten unterwegs sind.

Das Beste allerdings kommt wie immer zum Schluss, und es ist so großartig, dass ich ganz kurz überlegt habe, es Ihnen vor- zuenthalten. Schließlich wäre ich dann nicht mehr der Einzige, der die Nummer regelmäßig durchzieht. Aber gut, weil Sie mich so nett bitten – Sie haben ja dieses Buch gekauft und es immer- hin bis hierher gelesen –, will ich mal nicht so sein:

Ganz einfach: Wer es besonders eilig hat und noch dazu rich- tig billig davonkommen möchte, kauft sich ein Blaulicht (im In

ternet ab 20 € erhältlich) und kann sich dann den Fahrstreifen aussuchen. Die missbräuchliche Verwendung von Blaulicht und Martinshorn ist nämlich punktefrei und kostet gerade einmal läppische 20 €. Schnelligkeit und Fahrspaß zu jeder Verkehrslage und staunende Blicke garantiert. Also dann, frohes Lalü und Happy Blinkings, und grüßen Sie mir den Herrn Reynolds, wenn Sie ihn überholen.

Ach ja, sollten Sie dabei wider Erwarten und unerhörterweise dennoch geblitzt und angezeigt werden, auch kein Problem: Fra- gen Sie einfach einen Freund, Kumpel, Bekannten, Kollegen oder Schwippschwager, ob er nicht einfach für Ihren Ver- kehrsverstoß einsteht. Wenn Alter und Geschlecht des echten und des falschen Sünders übereinstimmen und eine gewisse Ähnlichkeit beim Aussehen hinzukommt, fällt der Polizei der Schwindel höchstwahrscheinlich nicht auf. Die Geldbuße wird bezahlt, die Punkte landen auf dem Konto des anderen. Und selbst wenn sich keiner im Bekanntenkreis finden lässt, der be- reit wäre, sein eigenes Konto in Flensburg weiter auszubauen, ist auch das kein unlösbares Problem. Im Internet finden sich genü- gend Menschen, die kein Auto haben oder denen der drohende Verlust des Führerscheins gegen entsprechendes Entgelt nicht so wichtig ist. Zum Beispiel Häftlinge mit Freigang.

Aber machen Sie dabei keinen Anfängerfehler: Nicht Sie, son- dern der »altruistische« Sündenbock muss den Anhörungsbo- gen der Bußgeldbehörde ausfüllen und angeben, dass er das Auto zum Zeitpunkt des Vergehens gefahren hat. Alles andere wäre eine falsche Verdächtigung und damit eine Straftat. Der Sündenbock dagegen kann aber nicht sich selbst falsch verdäch- tigen, und eine (mittelbare) Falschbeurkundung begeht er auch nicht, da das Flensburger Verkehrsregister keine öffentliche, son- dern nur eine innerdienstliche Urkunde darstellt.

Sollte Ihnen diese Variante zu aufwendig bzw. zu teuer sein, können Sie es auch wie der Kollege Lucas handhaben und künf

tig nur noch maskiert Auto fahren. So, dass Sie niemand mehr auf dem Blitzerfoto eindeutig als Fahrer identifizieren kann. Auch dies ist nicht strafbar. Beim Autofahren gibt es kein spezielles »Vermummungsverbot«. Das Gesetz schreibt nur vor, dass Sicht und Gehör nicht beeinträchtigt werden dürfen.

Bei der Wahl Ihres Kostüms sollten Sie allerdings auf eine gewisse Unauffälligkeit achten. Wer etwa mit einer Skimaske be- kleidet Auto fährt, könnte aus nachvollziehbaren Gründen bei verdachtsunabhängigen Polizeikontrollen von besonderem Interesse sein. Aber, wie Ihnen Stephan Lucas aus leidiger Erfah- rung berichten kann, auch die Verkleidung mit einer Alexan- der-Stevens-Maske ist suboptimal. Denn solch gutaussehende Autofahrer werden bevorzugt von weiblichen Polizeibeamtin- nen herausgewunken – um sie einer gründlichen »Routinekont- rolle« zu unterziehen.

In diesem Sinne: happy Driving.